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Lost Place im Modell – die Natur gewinnt alles Zurück

21. Dezember 2023 // Heinz Hofmann

Vergängliches entlang einer Bahnstrecke

Lost Place, ein Begriff, welcher in aller Munde ist.
Auch modellbauerisch ist dieses Thema interessant. So entstand ein Schaustück mit aufgelassenen Gebäuden, an welchen auch der allgegenwärtige Vandalismus, aber auch die "Künstler" mit ihren Graffitis ihre Spuren hinterlassen haben.

Aber die Natur erobert das Terrain langsam Stück für Stück zurück und macht aus dann ein Lost Place.

Einer der Graffitikünstler vollendet gerade sein Werk
Einer der Graffitikünstler vollendet gerade sein Werk

Die Idee für ein Lost Place-Schaustück reifte schon lange. Mit Erscheinen des Bausatzes der verfallenen Kurklinik und des Schrankenpostens von Busch wurde die Umsetzung machbar.
Da die gesamte Szenerie an einer stillgelegten Bahnstrecke dargestellt werden soll, muss auch ein verfallener Bahnhof darauf platziert werden. Letztendlich fiel die Entscheidung hierzu für den Bahnhof Elbingerode
von Busch, welcher entsprechend gestaltet wird. Und es soll „Leben“ im Diorama herrschen – vom Abfallplatz über wild in der Natur abgestellte Fahrzeuge, sichtbaren Vandalismus und „kreativer“ Gestaltung der Wandflächen durch Graffitis. Dabei werden auch die Sprayer nicht vergessen.

Was wird dargestellt

Auf einer 120 x 50 cm und 3 cmm starken Styrodurplatte entsteht eine eingleisige, stillgelegte Bahnstrecke, an welcher neben einem kleinen Bahnhof auch ein Bahnübergang mit Schrankenposten seinen Platz findet.
Die über den Bahnübergang führende Straße wird entlang der "Poliklinik" im Vorplatz des Bahnhof enden.

Blick auf die Straße. Sie führt über den ehmaligen Bahnübergang und endet im Platz vor dem Bahnhof, der schon deutliche Spuren eines Lost Place zeigt.
Blick auf die Straße. Sie führt über den ehmaligen Bahnübergang und endet im Platz vor dem Bahnhof, der schon deutliche Spuren eines Lost Place zeigt.

Die Gebäude entstehen

Beim Bau der Gebäude aus den Busch-Bausätzen wird sich auf die durchgeführten Änderungen und Ergänzungen hin zu einem Lost Place Gebäude beschränkt. Der Zusammenbau als solches bereitet, wie bei Bausätzen von Busch, wie immer keine Probleme.

Der Schrankenposten

An den Außenwänden finden einige Graffitis von Busch und Artitec ihren
Platz, und die Fensterscheiben sind mittels Ultraschallcutter noch etwas mehr eingeschlagen. Die Graffitis von Busch werden mittels eines kleinen Holzspatels angerieben, die von Artitec sind Decals. Das Dach und die Wände bekommen zudem mittels der Airbrush Infinity und Ultra light Ghost Black (AirbrushColor4you) einen leichten Grauschleier (Filterung). So wird der Eindruck eines maroden Aussehen angedeutet.
Einige Gras- und Moosbüschel auf dem Dach runden den ruinösen Eindruck
ab. Hier findet das Unkraut von Mininatur und RTS  in verschiedenen Längen seinen Platz.

Das marode Gebäude des Schrankposten findet seinen Platz neben dem Bahnübergang.
Das marode Gebäude des Schrankposten findet seinen Platz neben dem Bahnübergang.
Die Natur gewinnt auch am Bahnübergang die Oberhand.
Die Natur gewinnt auch am Bahnübergang die Oberhand.

Kurklinik als Poliklinik

Ähnlich wie beim Schrankenposten finden Graffitis, Gras- und Moosbüschel, aber auch kleine Büsche in Fenster- und Türlaibung ihren Platz. Die kleinen Büsche entstehen aus den Filigranbüschen von Busch und Mininatur, die Unkraut- und Grasbüschel sind von Mininatur und RTS.
Entgegen der Bauanleitung sind einige der Fenster verglast und anschließend eingeworfen worden. Hier findet wiederum der bereits erwähnte Ultraschallcutter Anwendung.
Auch liegt der eine oder andere Fensterflügel anscheinend sinnlos in
einer Fensterlaibung oder auf einer der Terrassen. Die Verglasung der oberen
Terrasse erhält auch einige Beschädigungen aufgrund sinnloser Zerstörungswut einiger Miniaturmenschen.
Selbst das Dach haben die Sprühkünstler nicht verschont – trotz des Risikos eines Absturzes beim Sprayen.

Die Fenster der Poliklinik werden vorbereitet.
Die Fenster der Poliklinik werden vorbereitet.
Mittels Ultraschallcutter werden einige der Fensterscheiben "zertrümmert", um so einen realistischen Eindruck im Modell zu bewirken.
Mittels Ultraschallcutter werden einige der Fensterscheiben "zertrümmert", um so einen realistischen Eindruck im Modell zu bewirken.
Mittels Ultra Light Ghost Black wird die Fassade verwittert.
Mittels Ultra Light Ghost Black wird die Fassade verwittert.
Auch die Dachterrasse zeigt Spuren von Vandalismus.
Auch die Dachterrasse zeigt Spuren von Vandalismus.
Auch im Modell macht die Klinik einen sehr maroden Eindruck.
Auch im Modell macht die Klinik einen sehr maroden Eindruck.

Der Bahnhof

Der Bausatz des Bahnhofs Elbingerode wird bis auf die Dächer nach Bauplan zusammengebaut. Manche der Türen werden dabei teilweise geöffnet eingebaut. Dabei ist eine der beiden Türen des Haupteingangs zudem so eingesetzt, dass es aussieht, als wenn diese aus einer der Angeln gerissen worden wäre. Sämtliche Fensterscheiben werden von den Miniaturmenschen aus Lust oder Frust eingeworfen. In unterschiedlichen Ausprägungen werden die Scheiben, nach Einkleben der Fensterrahmen und -laibungen, mit dem Ultraschallcutter „zerstört“. So entstehen kleine und größere Schäden an den Scheiben.
Im nächsten Schritt erhalten die Außenwände verschiedene Graffitis, wie bereits genannt, von Busch und Artitec.

Jetzt darf die Natur alles zurückerobern, was sie möchte. Hierzu werden verschiedene Unkraut- und Grasbüschel von Mininatur und RTS und kleine Stücke der Filigranbüsche von Busch und Mininatur auf den zwischenzeitlich eingebauten und mittels Airbrush vorgealterten Dächern und dem Bahnsteig aufgeklebt. Nun ist alles fertig zum Einbau ins Schaustück.

Die Farben für die Dach- und auch teilweise Wandalterung sind dem Alterungsset von Airbrush4you entnommen. Alle Farben der Farbserie AirbrushColor4you sind spritzfertig zur Verarbeitung in einer Airbrush-Pistole eingestellt. Durch Zugabe des AddOn Stretcher ist eine selbst gewünschte Transparenz und mit Thick'n Brush eine gewünschte Konsistenz zur Pinsellackierung einstellbar.

U.a. mit dem Ultraschallmesser, aber auch mit anderen Kleinwerkzeugen, werden die Fensterscheiben des Bahnhofs traktiert.
U.a. mit dem Ultraschallmesser, aber auch mit anderen Kleinwerkzeugen, werden die Fensterscheiben des Bahnhofs traktiert.
Auch die Türen weisen zahlreiche Spuren eines intensiven Vandalismus auf.
Auch die Türen weisen zahlreiche Spuren eines intensiven Vandalismus auf.
Mit Hilfe der Airbrush und den verschiedenen Farben aus dem Alterungsset von Airbrush4you werden Mauerwerk und Dach verwittert.
Mit Hilfe der Airbrush und den verschiedenen Farben aus dem Alterungsset von Airbrush4you werden Mauerwerk und Dach verwittert.
Verbogene und abgerissene Dachrinnen zeigen, dass am Bahnhofsgebäude schon längere Zeit ein gewisser Zahn nagt.
Verbogene und abgerissene Dachrinnen zeigen, dass am Bahnhofsgebäude schon längere Zeit ein gewisser Zahn nagt.
Alle Bereiche des ehemaligen Bahnhof weisen deutliche Spuren einer Vergänglichkeit auf - eben Lost Place.
Alle Bereiche des ehemaligen Bahnhof weisen deutliche Spuren einer Vergänglichkeit auf - eben Lost Place.

Das Diorama entsteht nun

Gleis und Straße

Zuerst wird das Flexgleis von Tillig mittels Sekundenkleber auf der Grundplatte wie vorgesehen fixiert. Nun werden Bahnhofs- und Schrankenpostengebäude auf die Grundplatte geklebt. Anschließend ist die Überfahrt wie auch das Füllstück des Bahnübergangs im und am Gleis zu fixieren, bevor dieses eingeschottert wird. Als Gleisschotter kommt der TT-Schotter von Tillig zur Anwendung. (Art.-Nr.: 86406). Wenn der Schotterkleber getrocknet ist, werden Gleis, Schwellen und Schotter mit Puderfarben sowie mit Airbrush und Ghostfarben verwittert.
Im Anschluss entsteht die Straße zum Bahnhof. Hierfür wird Strukturpaste „Asphalt“ von Joker-Rügen eingesetzt. Mit einem Feinspachtel wird diese so aufgetragen, dass eine leichte Erhöhung gegenüber der Grundplatte entsteht.

Das Tillig-Gleis ist verlegt.
Das Tillig-Gleis ist verlegt.
Die Straße entsteht mittels der Strukturpaste von Joker-Rügen.
Die Straße entsteht mittels der Strukturpaste von Joker-Rügen.

Weg zur Poliklinik

In den nächsten Schritten wird der Weg von der Straße zur ehemaligen Poliklinik mit Gehwegplatten von Juweela gepflastert.  Dabei dürfen ruhig einige etwas größere Verschiebungen entstehen um den Eindruck von Vergänglichkeit zu erzeugen.
Diese „Fugen“ werden im nächsten Schritt mittel RTS-Greenkeeper mit 1-4 mm langen Grasfasern in herbstlichen Farben beflockt. So wird dem Betrachter der Eindruck vermittelt, dass dieser Weg langsam zuwächst.

Der Gehweg zur Klinik mit Juweela-Platten.
Der Gehweg zur Klinik mit Juweela-Platten.
Hier ist der Weg bereits mit Fasern von Mininatur und RTS mittels dem RTS-Greenkeeper verwildert worden.
Hier ist der Weg bereits mit Fasern von Mininatur und RTS mittels dem RTS-Greenkeeper verwildert worden.

Der Schrankenposten

Im Bereich des Schrankenpostens werden nun die beim Abbau der Schranken stehengelassenen Böcke eingebaut und die Schrankenbäume beidseitig des Gleises abgelegt. Diese werden später mit Unkraut und anderer Vegetation von Mininatur und RTS zuwachsen und nur noch teilweise zu sehen sein.

Die farbliche Alterung erfolgt wiederum mit den Farben aus dem Alterungsset von Airbrush4you.

Die Natur gewinnt auch am Bahnübergang die Oberhand.
Die Natur gewinnt auch am Bahnübergang die Oberhand.
Die Natur rund um den Schrankenposten, wie auch am gesamten Bahnübergang überwuchert langsam alles.
Die Natur rund um den Schrankenposten, wie auch am gesamten Bahnübergang überwuchert langsam alles.

Straßen- und Landschaftsgestaltung, Unrat

An allen drei Bauwerken sollen nun am Mauerwerk Efeupflanzen von Mininatur hochranken. Zudem finden auch zahlreiche Unkrautbüschel in unterschiedlichen Wuchshöhen , wiederum von Mininatur und RTS ihren
Platz in der Landschaft.

HINWEIS:
Alle im Schaustück verwendeten Landschaftsmaterialien stammen aus den Sortimenten von Busch, Mininatur und RTS-Greenkeeper und sind vornehmlich in spätsommerlichen und frühherbstlichen Tönen gehalten. Gelegentlich ist eine farbliche Anpassung notwendig. Diese erfolgt mittels der Airbrush Infinity und der Airbrushfarben aus dem Landschaftsset von Airbrush4you.

Entlang der kleinen Straße und am Bahnübergang finden Straßenleuchten nach DDR-Vorbild von Busch ihren Standort. Auch an diesen ranken Efeu und andere Schlingpflanzen hoch.
Zwei wild im Bahnhofsbereich abgestellte Fahrzeuge hat die Natur schon nahezu mit Wildkräutern, Schlingpflanzen und Gestrüpp überwuchert. Deshalb sind diese nur schwer auf den ersten Blick zu erkennen. Auch der ehemalige Lagerplatz an der Poliklinik ist wegen des üppigen Bewuchses nur noch schwer zu entdecken.
Nachdem alle Unkräuter und Minibüsche auf den Freiflächen, entlang der drei Gebäude, des Gleises und der Straße gesetzt sind, werden die restlichen freien Flächen beflockt. Hier kommt eine Grasmischung aus 2-6 mm langen Fasern von RTS zur Anwendung, welche mit dem RTS Greenkeeper 35 kV aufgebracht wird. Hierbei ist auf eine dichte Beflockung zu achten.
Neben der Klinik wächst nun eine mächtige Kastanie von Busch in die Höhe. Rund um den Bahnhof finden sich jetzt auch zwei kleine Eichen, die schon mächtig herbstliches Laub zeigen.

Überall wuchern Sträucher und Unkraut, auch in den Fensterlaibungen.
Überall wuchern Sträucher und Unkraut, auch in den Fensterlaibungen.
Auch der ehemalige Klinikeingang ist schon ziemlich verwildert.
Auch der ehemalige Klinikeingang ist schon ziemlich verwildert.
Auch auf der Bahnsteigseite des Bahnhofsgebäudes bleibt die Natur Sieger.
Auch auf der Bahnsteigseite des Bahnhofsgebäudes bleibt die Natur Sieger.
Auch am Gebäude der ehemaligen Poliklinik sind die als Schmierer verrufenen Künstler am Werk.
Auch am Gebäude der ehemaligen Poliklinik sind die als Schmierer verrufenen Künstler am Werk.

Unrat in der Natur

Neben den „Lost Place“-Gebäuden hat sich in den vergangenen Jahren einiges an Gerümpel angesammelt und verunstaltet die Landschaft. Auch haben Vandalen an der Poliklinik und am Bahnhof Hinweisschilder heruntergerissen bzw. dies zumindest versucht. Aus Frust über was auch immer, hat man das Stationsschild sogar in die Scheibe des ehemaligen Fahrdienstleiterstellwerks geworfen.
Dass nur noch sehr selten jemand mit dem Auto zum verlassenen Bahnhof fährt, sieht man u. a. auch daran, dass selbst der Bahnübergang langsam von der Natur in Besitz genommen wird.

Der alte Mercedes wurde vermutlich, vielleicht absichtlich "vergessen".
Der alte Mercedes wurde vermutlich, vielleicht absichtlich "vergessen".
Vermutlich absichtlich versteckt oder entsorgt wurde dieser Pkw.
Vermutlich absichtlich versteckt oder entsorgt wurde dieser Pkw.
Die Künstler haben ihren unauffälligen VW-Käfer neben dem zugewachsenen Bagger geparkt.
Die Künstler haben ihren unauffälligen VW-Käfer neben dem zugewachsenen Bagger geparkt.

Das Ensemble rund um den Bahnhof ist ein Eldorado für Sprayer, man sieht daran, dass selbst am Tag der Fotoaufnahmen drei dieser Künstler anwesend sind. Zwei von ihnen „verschönern“ gerade die Wand der Zentralpoliklinik Deutlich sind sich die Vandalismus-Spuren im Eingangs- und Dachbereich des Bahnhofsgebäudes zu mit ihren Protestzeichnungen. Ein weiterer versucht, seine Angebetete mit aufgesprayten Liebesschwüren zu überzeugen – ob ihm dies gelingt?
Wer von dem Kunstbeflissenen mit dem neben dem Bahnhof abgestellten Hippie-Käfer vorgefahren ist, bleibt offen. Alle im Diorama verbauten Fahrzeuge stammen von Busch. Die Alterung ist bei allen ergänzt worden.

Inhalt //

    Die Autoren

    Heinz Hofmann

    Heinz Hofmann

    Ich bin Modellbauer mit langjähriger Erfahrung und Autor zahlreicher Artikel in Fachzeitschriften im Bereich Modell-, Dioramen- und Modelleisenbahnbau.
    Weitere Infos zu meinen Arbeiten? - hier.

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